«Wir machen diese Arbeiten bewusst in den Randstunden»

Nach der Entgleisung eines Euro-City-Zuges am Mittwoch, 22. März 2017, musste der Bahnhof Luzern viereinhalb Tage lang für die umfangreichen Reparaturarbeiten gesperrt werden. Nun sind Nacharbeiten nötig. Diese finden ab Sonntagabend während drei Nächten statt. Roger Zeier, Leiter Intervallplanung Region Mitte bei SBB Infrastruktur, erklärt, warum.

In mehrtägigen Arbeiten wurden nach der Entgleisung unter anderem 400 Meter Gleis neu verbaut, vier Weichen vollständig ersetzt und rund 200 Tonnen Schotter gestopft. Welche Arbeiten sind denn nun nötig?

Ab Sonntagabend werden in drei Nachtschichten die Weichen im Einfahrbereich der Normalspurschienen gestopft. Mit 72 Schweissungen werden die seit dem Unfall provisorisch mit Klemmen verlaschten Schienen definitiv verbunden. Erdungen an Schienen und Fahrleitungsmasten werden ebenfalls in den definitiven Zustand gebracht. Zusätzlich werden Fahrleitungsmasten abschliessend gerichtet, die durch die Entgleisung beschädigt wurden.

Wurde man denn während der mehrtägigen Sperre mit den Arbeiten nicht fertig?

Wir müssen zwei Phasen unterscheiden: In den vier Tagen Sperrung nach dem Unfall galt es, das Ereignis zu bewältigen und die Anlage möglichst rasch – und natürlich sicher – den Kunden zurückzugeben. Ziel war eine Freigabe für den Verkehr am Montagmorgen. Nach vier Tagen Arbeitseinsatz während 24 Stunden benötigten aber alle eingesetzten Mitarbeiter eine Erholung. Das Material und die Maschinen mussten retabliert werden. In der ersten Phase sind oft auch nicht alle Teile sofort verfügbar und es müssen Übergangslösungen gefunden werden. In der zweiten Phase geht es darum, die Anlage definitiv zu reparieren. Ziel ist, dass die Anlage ausfallsicher wird und anschliessend im normalen Unterhaltszyklus weiter gefahren werden kann. Für diese Phase wird auch eine gewisse technische Vorbereitung benötigt, gleichzeitig muss aber auch möglichst schnell der „normale“ Zustand erreicht werden.

Sie sprechen von „provisorisch“ und „definitiv reparieren“: War es denn überhaupt sicher, die Unfallstelle schon wieder zu befahren?

„Provisorisch“ heisst in diesem Bereich nicht „basteln“! Die Fachdienste der Infrastruktur wenden auch bei geplanten Erneurungsbaustellen oder bei Störungseinsätzen solche Provisorien an. Die Vorgehensweise ist technisch geprüft und in Vorschriften beschrieben. Sicherheit steht stets an erster
Stelle, ohne Kompromisse!

Was bedeuten die neuerlichen Sperrungen nun für die Kunden?

Die SBB hat die Sperrungen bewusst in den Abendstunden und in den verkehrsschwächsten Nächten geplant. Ab 21.20 Uhr wenden die Züge in den Vorortsbahnhöfen Littau, Emmenbrücke, Ebikon und Luzern Verkehrshaus. Der Bahnhof Luzern ist mit Ersatzbussen im Shuttlebetrieb verbunden. Das Konzept lehnt sich bewusst stark an das Störungskonzept während der Entgleisung an. Bei den letzten Verbindungen wird zudem auch auf die Sicherung der Anschlüsse zwischen den Ersatzbussen und den Zügen geachtet. Die Züge der Zentralbahn verkehren gemäss Fahrplan.

Wie viele Personen werden in den drei Nächten ab Sonntagabend im Einsatz stehen?

Jede Nacht arbeiten auf der Baustelle rund 20 Personen. In der Nacht von Sonntag auf Montag sind auch Grossbaumaschinen im Einsatz. Rund 20 Kundenlenker von SBB und BLS beraten und lenken die Kunden in Luzern im
Bahnhof und auf dem Europaplatz sowie auf den Agglomerationsbahnhöfen. In der Vorbereitung hat eine Taskforce von rund 15 Personen von SBB Personenverkehr, SBB Infrastruktur, SBB Cargo und BLS Personenverkehr eine möglichst optimale Lösung für unsere Kunden gesucht.

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