Rheintalsperre beendet: Bahnverkehr rollt wieder

Update 2. Oktober 2017, 12.00 Uhr: Der durchgehende Bahnbetrieb auf der deutschen Rheintalstrecke Basel–Karlsruhe ist heute früh wie geplant wieder aufgenommen worden. Mit vereinten Kräften konnte unter massgeblicher Beteiligung der SBB ein Teil der Verkehre über Ausweichrouten befördert werden. Die Auswirkungen im Güter- und Personenverkehr waren während der Sperre der deutschen Rheintalstrecke dennoch massiv. Güter mussten weiträumig umgeleitet werden, im Personenverkehr kam es zu erheblichen Einschränkungen für die Reisenden. Die logistischen Aufwendungen waren enorm. Die SBB ist erleichtert, dass die Rheintalstrecke wieder durchgehend befahren werden kann und setzt sich dafür ein, dass die internationalen Eisenbahnverkehre künftig besser koordiniert werden.

Als erster Zug fuhr der NightJet 470 Zürich–Hamburg über die reparierte Strecke. Wenig später passierte der erste Güterzug Rastatt. SBB Cargo International setzte dabei mit einer Lok in speziellem Design (siehe Bild oben) ein Zeichen: Das Wortspiel «Rastatless» verweist darauf, dass SBB Cargo International nun wieder «rastlos» unterwegs ist und für die Kunden Vollgas gibt.

Als erster Zug fuhr der NightJet 470 Zürich – Hamburg über die reparierte Strecke bei Rastatt.

Am Montag, 2. Oktober 2017, müssen die Kundinnen und Kunden bedingt durch die Fahrplanumstellung noch mit Einschränkungen rechnen. Ein Umstieg in Basel SBB wird bei einzelnen Zügen noch notwendig sein. Ab dem 3. Oktober wird der Zugverkehr auf der deutschen Rheintalstrecke wieder vollumfänglich aufgenommen werden.

Der Online Fahrplan unter www.sbb.ch/fahrplan ist ab sofort angepasst und die Fahrpläne von und nach Deutschland können wieder durchgängig abgefragt werden.

Grosse Auswirkungen auf Güterverkehr

Die lange Schliessung der Strecke zwischen Baden-Baden und Rastatt Süd stellte für die SBB eine schwierige Situation dar. Betroffen war der Lebensnerv auf der Nord-Süd-Achse – für den Personen-, aber insbesondere auch für den Güterverkehr. SBB Cargo ist der grösste Akteur auf der Achse und war entsprechend stark von der Sperre betroffen. Die SBB setzte alles daran, die Personen- und Güterströme über Alternativrouten abzuwickeln. SBB Cargo stand mit ihren Kunden seit Beginn der Sperre im regelmässigem Austausch und suchte die besten Transportmöglichkeiten. Die Kundeninformation stand rund um die Uhr für die Anliegen der Kunden zur Verfügung.

Auf Initiative von Andreas Meyer, CEO der SBB, haben sich die Chefs der Deutschen Bahn (DB), der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sowie der Société Nationale des Chemins de Fer (SNCF) regelmässig abgestimmt, um die Auswirkungen der Rheintalsperre auf den Schienengüterverkehr möglichst gering zu halten. Die Kapazität der Umleitungsstrecken konnte nicht voll ausgeschöpft sind. Hauptgrund war der Mangel an strecken- und fahrzeugkundigen Lokführern. Die Bahnchefs haben das vereinbarte Massnahmenpaket deshalb weiter ergänzt und konkretisiert. Anstelle der rund 200 Güterzüge via Rheintalstrecke verkehrten am Schluss täglich bis zu 84 Güterzüge über Ausweichrouten.

Weitere Infos zur Wiederinbetriebnahme in der Medienmitteilung vom 29. September.

SBB unternahm alles, um Auswirkungen möglichst gering zu halten

Die Rheintalbahn ist eine der wichtigsten Achsen im Schienengüterverkehr. Im alpenquerenden Güterverkehr zwischen Nordeuropa und Italien via Schweiz hat der Schienengüterverkehr einen Marktanteil von 70 Prozent. Auf den Kombinierten Verkehr entfallen 50 Prozent. Ein grosser Teil der Züge konnte über Strecken durch Deutschland, Österreich und Frankreich umgeleitet werden. Entsprechende Trassenangebote haben die beteiligten Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen nach der Sperrung ausgearbeitet. Zudem wurde eine Strassenüberbrückung Mannheim/Karlsruhe – Basel und eine Schifffahrts-Überbrückung nach Basel eingerichtet. Von dort wurden die Güter dann jeweils mit der Bahn nach Italien weitergeleitet. Dank verschiedener Massnahmen konnte die Anzahl Zugfahrten kontinuierlich gesteigert werden.

SBB CEO Andreas Meyer: «Wir unternehmen alles, um die Auswirkungen der Streckensperre auf unsere Kunden im Schienengüterverkehr möglichst gering zu halten. Dazu nutzen wir die Hebel der integrierten Bahn. Die Bereiche Infrastruktur, Personen- und Güterverkehr arbeiten eng zusammen und erarbeiten übergreifende Lösungen. Gleichzeitig ist ernüchternd zu sehen, dass die europäischen Bahnen in einer solchen Situation zu unflexibel sind und dass selbstauferlegte Restriktionen im Weg stehen. Daran müssen wir arbeiten.»

Die Bahn rollt wieder: Erleichterung bei den Verantwortlichen der Projektleitung und der DB Netz AG vor Ort, nachdem die ersten Züge die reparierte Strecke passiert haben.

So war der Güterverkehr betroffen

Der Güterverkehr war von der Streckensperrung stark betroffen. Die Bahnstrecke Offenburg–Karlsruhe konnte durch den Güterverkehr nicht befahren werden.

  • Bei SBB Cargo waren rund 60 Züge/Tag bei der Übernahme in Basel betroffen.
  • Bei SBB Cargo International waren an Spitzentagen zusätzlich rund 80 Züge/Tag von der Streckensperrung betroffen. (Insgesamt gegen 600 Züge/Woche).
  • Das Ersatzkonzept von SBB Cargo mit der Umleitung der Verkehre via Schaffhausen–Singen–Stuttgart und zum Teil über Ulm wurde am 21. August in Betrieb genommen.
  • Die Alternativroute über den Rhein wird ebenfalls vermehrt genutzt und deshalb sind die Ressourcen in den Basler Rheinhäfen aufgestockt worden.
  • Der Bahnhof Schaffhausen war seit Montag, 21. August rund um die Uhr bedient, um auch in den Nachtstunden Güterzüge von und nach Deutschland verkehren zu lassen.
  • Die Sperre in Rastatt hatte keine Auswirkungen auf die nationale Landesversorgung in der Schweiz. SBB Cargo stand zudem in engem Austausch mit den Gütertransportkunden in der Schweiz.
  • Der Binnenverkehr konnte im gewohnten Rahmen abgewickelt werden.
  • Zu den finanziellen Auswirkungen der Sperre in Rastatt  können derzeit noch keine detaillierten Aussagen gemacht werden. Es sind bereits Einnahmenausfälle in Millionenhöhe entstanden. Die SBB wird zu einem späteren Zeitpunkt Auskunft geben können.
  • SRF Eco vom 11. September 2017 zur Lage bei der Schweizer Güterbranche
  • SRF Schweiz aktuell vom 21. August 2017  zu den Auswirkungen der Sperre Rastatt für die SBB Cargo Güterverkehrstochter ChemOil.

Medienschaffende werden gebeten, sich für konkrete Kennzahlen zu Trassenkapazitäten, Fahrplänen und Informationen zu Ersatzkonzepten direkt an die Medienstelle der Deutschen Bahn DB zu wenden.  Kontakt: http://www.bahn.de/presse

Reise-Video: Wie man von der Schweiz nach Frankfurt kam

Die Reise aus der Schweiz nach Deutschland war auch nach dem Unterbruch in Rastatt möglich. Ein SBB Mitarbeiter hatte am 21. August 2017 die sonst durchgehende ICE-Fahrt von Olten nach Frankfurt mit allen Ersatzverbindungen unternommen und sein Reiseerlebnis samt Umstieg auf den Schienenersatzverkehr in einem kurzen Video festgehalten.

 

 

 

15 Kommentare zu “Rheintalsperre beendet: Bahnverkehr rollt wieder

  1. Danke für die gute Organisation zwischen Karlsruhe und Basel. Wir kamen trotz Umsteigens und Bahnersatzbus gut vorwärts. Informationen waren gut.

  2. Unsere Rückreise von Frankfurt aus wurde in Karlsruhe abrupt beendet. Startzeit 12.03 Uhr Zielankunft Winterthur (via Konstanz) 21.57 Uhr zwischen diesen Zeiten lag das nackte Chaos von Panik (im Zug von Baden Baden nach Offenburg wurde nach Rauchentwicklung zuerst per Durchsage an den Lokführer informiert, nachher wurden die Passagiere des total über füllten Zuges gebeten den Zug zu verlassen.)
    In Karlsruhe, Raststatt sowie in Baden Baden mangelte es an Informationen, Leitung und Betreuung. Die Überforderung auch die nicht deutlichen kaum hörbaren Durchsagen machte die Reisenden wütend. Die wenigen Ersatzbusse wurden in Raststatt gestürmt ohne Rücksicht auf ältere oder beeinträchtigte Menschen, dies gibt mir noch heute Sonntag sowas zum Denken und macht mich extrem traurig. Hoffentlich entsteht nach diesen Vorkommnissen ein Notfallkonzept, dass so richtig verhebt. Ich wünsche es der DB weil ich immer gerne diese Strecke bereise. Im Nachhinein bin ich dankbar mit meiner ü80 Jährigen Mutter heil nach Hause gekommen zu sein und hoffe, dass es für die anderen Reisenden auch der Fall war.

    1. Ich bin völlig zufrieden mit dem Ersatzkonzept. Selbst die Nachtverbindung IC 209 von Hamburg nach Zürich (nur bis Karlsruhe) hat hervorragend funktioniert, trotz der 40-minütigen Verspätung in Karlsruhe. Im Zug wurde über die nächste Reisemöglichkeit nach Baden-Baden informiert, also rein in den nächsten RE nach Rastatt und der eine Bus, der auf uns gewartet hat, hat vollkommen ausgereicht, um die Fahrgäste nach Baden-Baden zu bringen. Der weiterführende ICE stand zu dem Zeitpunkt schon bereit. Auch der Rückweg war kein Problem trotz eines recht vollen ICEs bis Baden-Baden. In nur 5 Bussen konnten alle Fahrgäste abtransportiert werden und es kamen noch weitere Busse, die gar nicht mehr benötigt wurden. Wer etwas älter und weniger mobil sein sollte, dem ist geraten zu warten und einen der späteren Busse zu nehmen. Es sind zwar Zeiten in den Fahrplanauskünften für die Busse hinterlegt, doch sie fahren, wenn sie benötigt werden und entsprechend fahren durchaus auch halbvolle Busse. Also ein Lob an das Konzept.

      Leider ist eine Umleitung der IC-Züge Zürich – Singen – Stuttgart über das Murgtal nach Karlsruhe nicht möglich. Erstens ist die Strecke recht gut von der Stadtbahn Karlsruhe befahren, womit bei dieser eingleisigen Strecke nicht mehr viel Kapazität besteht. Zweitens befindet sich hinter Freudenstadt in Richtung Rastatt eine Steilstrecke, die mit einem IC nicht ohne weiteres befahren werden kann. Selbst die Stadtbahntriebwagen der AVG müssen speziell ausgerüstet sein, um dort fahren zu dürfen.

      1. Leider muss ich in einem Punkt widersprechen:

        Von Nord nach Süd steht der Zug in Baden-Baden nach Ankunft der Busse bereit. Leider auf Gleis 4, so dass man runter, durch den Tunnel und wieder rauf muss.

        In Rastatt ist das zwar schöner gelöst, dass die Busse und der ICE quasi am gleichen Bahnsteig halten, aber der Bahnsteig ist nicht auf den ICE hin ausgerichtet und es gibt für ältere und behinderte keine Hilfen, um die unterste Stufe zu überwinden, die recht hoch ist. Die Bahn-Mitarbeiter haben nicht eingegriffen, sondern zugeguckt, wie die Fahrgäste untereinander sich helfen. Von Süd nach Nord wartet man je nach Bus zwischen 15-30 Minuten auf den Zug, der aus Richtung Norden eintrifft. Im Moment geht es, weil es warm und trocken ist, aber mal gucken, wie es weitergeht, wenn es jetzt naß und kühl wird.

  3. Guten Tag, wegen des Unterbruchs der Route via Zürich-Schaffhausen-Stuttgart enden die Eurocity-Züge derzeit in Horb. Warum verlängert man nicht die Fahrt nach Karlsruhe über das Murgtal und umgeht so auch den Unterbruch in Rastatt. So hätte man wenigstens eine Linie, die weniger mobilen Fahrgästen entgegenkommt.
    Beste Grüsse

    1. Das wird wg. der Steilstrecke zwischen Freudenstadt (Stadt) und Baiersbronn nicht gehen. In früheren Zeiten musste bei längeren Zügen (ab 4 Wg.) stets eine zusätzliche Brems- bzw. Schublok aus Sicherheitsgründen angekoppelt werden.

  4. Gibt es eine Alternative? Vielleicht.
    Wenn man fahren kann über französisches Gebiet, ein Kraftakt.
    Wenn es geht wenigstens ein paar Züge.
    Strecke : Basel- Appenweier- Kehl- Strassbourg- Hoenheim – La Wantzenau-
    Drusenheim- Roeschwoog- Berg(Pfalz)-Worth am Rhein (vermute Lok wechsel)
    Karlsruhe Knielingen -Beiertheim Bulach. Vermutlich noch Strecke nur mit Diesel.
    Das war nur so eine Idee
    Wünsche noch eine schöne Woche
    Gruss E.Bucher

    1. Alles ist doch TÜV geprüfte Deutsche Wertarbeit. Da ist weder CDU noch SPD oder wie sie alle heissen mögen veranwortlich, sondern Kurzsichtigkeit, Hochmut und Unvermögen.

  5. Ich/wir (10 Personen) waren am vergangenen Weekend (Sa./So. 16.9./17.9.) in Mainz und mussten ebenfalls auf den Bahnersatz umsteigen (Hin- und Rückweg). Es hat uns alle sehr beeindruckt, wie der gesamte Wechsel vom Zug auf Bus und umgekehrt organisiert war. Ein grosses Kompliment an alle beteiligten Personen und auch ein Dankeschön für deren Einsatz. Selbstverständlich hatte es ewige „Nörgeler“, Besserwisser und „Stressbolzen“ darunter. Ab diese waren zum Glück in der absoluten Minderzahl und ganz einfach nicht beachtbar. Die Verspätung hielt sich für diese logistische Herausforderung in Grenzen und die Reise war trotzdem angenehm. In der Hoffnung, dass dieses Nadelöhr bis am 2. Oktober 2017 beseitigt ist ein Dankeschön an alle.

  6. Es ist traurig, wie im modernen Europa, sprich EU & Co, nur alte Strukturen und Traditionen weitergepflegt werden. Ich kann SBB Cargo nicht verstehen, dass sie nur! auf Deutschland (Rheintal) baute und die elsässer Linien wohl zuerst aus einem Dornröschschlaf geweckt werden mussten zwecks Optimierung. Für die SNCF scheint es wohl wenig attraktiv, mit der Güterfernverkehr langfristig GELD zu verdienen.
    Versorgungssicherheits-Grundsatz: zwei verschiedene Lieferanten bieten mehr Stabilität als ein einzelner alleine.
    Ich vermute eine schwache Bereitschaft der SBB-Disponenten, französisch sprechen zu müssen oder wollen oder können.

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