Fernbusse und Öffnung des internationalen Bahnverkehrs: Eine Einschätzung der SBB

Fernbus

Am 19. Oktober 2017 hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) den Bericht des Bundesrats zur Weiterentwicklung des Busverkehrs und zur Öffnung des internationalen Bahnverkehrs vorgestellt. Die SBB wird oft zu ihrer Haltung zu diesen beiden Themen angefragt. Generell ist die SBB der Meinung, dass eine Diskussion zu den Auswirkungen auf das Gesamtsystem des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz geführt werden sollte.

Internationaler Bahnverkehr: Bestehende Kooperationen funktionieren gut und werden weiter ausgebaut

Bei einer allfälligen Öffnung des internationalen Schienenpersonenverkehrs dürfen die bisherigen Errungenschaften nicht gefährdet werden. Vor weitergehenden Entscheiden sind deshalb die Chancen und Risiken und möglichen Auswirkungen auf den gesamten öV in der Schweiz ganz genau auszuleuchten. Die SBB wünscht sich dazu eine politische Diskussion. 

Die SBB nimmt grundsätzlich jede Art von Wettbewerb ernst und ist bereit, sich diesem zu stellen. So hat sie laufend auch in den internationalen Verkehr investiert und ein attraktives Angebot mit täglichen Verbindungen nach Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich geschaffen. Dieses Angebot wird gemeinsam mit den Partnerbahnen weiter entwickelt und ausgebaut. 

Die bestehenden Kooperationen mit Partnerbahnen funktionieren gut und werden weiter ausgebaut. Aktuelles Beispiel dafür ist der neue trinationale Zug, der ab Fahrplanwechsel zwischen Frankfurt/Main, der Schweiz und Mailand verkehren wird. Die SBB ist die treibende Kraft hinter solchen Weiterentwicklungen und Ausbauten des Angebots. Diesen trinationalen Zug würde es ohne SBB nicht geben.

Alle Anbieter müssen gleich lange Spiesse haben: Dies betrifft vor allem auch die Arbeitsbedingungen, die Sicherheit und die Einhaltung des Behindertengleichstellungsgesetzes. 

Fernbusse: SBB sieht Konkurrenz nicht als Bedrohung, sondern als Ergänzung in der Mobilitätskette

Fernbusse sind im nationalen Verkehr, wie dies bereits im internationalen Markt der Fall ist, eine Konkurrenz für die SBB. Deshalb ist es wichtig, dass alle Anbieter faire und gleiche Rahmenbedingungen haben, damit ein echter Wettbewerb spielt: Dies betrifft vor allem auch die Arbeitsbedingungen wie Löhne und Sozialleistungen der Mitarbeitenden, die Sicherheit der Passagiere sowie die Einhaltung des Behindertengleichstellungsgesetzes und die Infrastrukturgebühren.

Wichtig ist uns auch die Reflektion über die Auswirkungen auf getätigte Investitionen in Infrastrukturen und auf neue Ausbauten sowie auf Investitionen in Rollmaterial mit ihren langen Vorlaufzeiten.

Nicht zuletzt deshalb wünscht sich die SBB auch bei diesem Thema eine politische Diskussion zu den möglichen Auswirkungen auf das Gesamtsystem öV Schweiz. Denn im gut ausgebauten und eng abgestimmten öV-System stellen parallele Fernbus-Angebote keinen echten Mehrwert dar. Wenn ein Anbieter Rosinen herauspickt, indem nur profitable Leistungen und für gewisse Linien Billigstpreise angeboten werden, wird am Prinzip der Solidarität der Tarifsysteme im öV Schweiz gerüttelt.

Wir sehen Fernbusse als Ergänzungen in der Mobilitätskette, wie viele andere Mobilitätsträger auch (z.B. Mobility, Velos etc.). Wir können uns deshalb vorstellen, Fernbusse auf unsere Plattformen – etwa in die Reiseplaner-App – einzubinden. Die Kunden wünschen sich kombinierte oder kombinierbare Mobilität. Die SBB könnte sich grundsätzlich Kooperationen mit Busanbietern vorstellen, wo dies als Ergänzung zum bestehenden Angebot sinnvoll und für unsere Kunden ein Mehrwert wäre.

Die SBB sieht die Konkurrenz der Fernbusse nicht als Bedrohung. Sie ist dank dem bereits eingeleiteten Fitnessprogramm «RailFit20/30» vorbereitet, nimmt die Entwicklung aber sehr ernst und verfolgt sie aufmerksam. Wie SBB CEO Andreas Meyer bereits als Vision geäussert hatte, soll es möglichst keine Preiserhöhungen geben, sondern irgendwann vielleicht sogar Senkungen.

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