Die Neugasse als lebendiges, vielfältiges Quartier

Beim zweiten «Hallengespräch» diskutierten Experten am Donnerstag, 28. September 2017, wie die lebenswerte Stadt von morgen aussieht. Dazu warfen sie einen Blick auf das Areal Neugasse. Brennendste Fragen sind: Was zeichnet die urbane Gesellschaft aus und welche Ansprüche stellt sie an ihren Lebensraum? Nimmt die Vielfalt in der Stadt tatsächlich zu oder schärft sich nur die Wahrnehmung?

«Der bewusste und zukunftsorientierte Umgang mit kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit, aber auch dem begrenzten Raum innerhalb der Stadt, wird immer wichtiger.» Martina Löw, Professorin für Soziologie an der TU Berlin, eröffnete das «Hallengespräch» am Donnerstag, 28. September. In ihrem Referat legte sie dem Publikum dar, welche Kriterien eine Stadt erfüllen muss, damit Menschen miteinander statt nebeneinander leben und auf begrenztem Raum zufrieden sein können. Es folgte ein Podiumsgespräch zwischen der Referentin, dem Neugasse-Planerteam, der Soziologin Barbara Emmenegger, dem Architekten und Stadtplaner Uli Hellweg und Günther Arber, dem Bereichsleiter bei der Stadtentwicklung der Stadt Zürich.

Begegnungsraum für eine belebte Nachbarschaft

«Wichtig für eine glückliche, vielfältige Nachbarschaft sind vor allem heterogene Wohnformen und die mehrheitliche Nutzung der Gewerbeflächen durch lokale Anbieter», erklärte Martina Löw. «Zudem muss es einen Begegnungsraum geben, der den Dialog zwischen den Anwohnerinnen und Anwohnern ermöglicht und einen neugierigen Austausch zwischen verschiedenen sozialen Gruppierungen fördert. Dazu sind besonders kulturelle Angebote geeignet, aber auch beispielsweise ein Coiffeur-Salon, ein Gemeinschaftsraum oder eine Grünfläche kann die Funktion einer Integrationsstätte übernehmen.»  

Wohnfläche, Geschäfte und viel Freiraum

Das geplante Areal wird von genau solchen unterschiedlichen Gebäudetypen geprägt sein – grosse, uniforme Überbauungen sind ausgeschlossen. «Die Neugasse soll verschiedene Geschichten unterschiedlicher Menschen parallel erzählen», erklärt Barbara Zeleny, Projektleiterin bei der SBB. «Um dies zu ermöglichen, setzen wir nicht nur beim Wohnen auf Diversität, sondern auch beim Gewerbe.» 75 Prozent des Areals sind für Wohnfläche reserviert, davon ein Drittel für gemeinnützigen Wohnraum. Auf den restlichen 25 Prozent Arealfläche entsteht Raum für eine Schule, für Gewerbe und für Dienstleistungen. Das Ziel ist ein möglichst vielfältiges Quartier, das sich harmonisch in die bestehende Umgebung einfügt.

Vielfalt durch Beteiligung

Die SBB zieht die Öffentlichkeit von Beginn an in die Planung des Areals mit ein. Damit will sie sicherstellen, dass die Neugasse den Anforderungen einer vielfältigen Stadt gerecht wird und einer breiten Bevölkerung zugutekommt. «Die Hallengespräche im September waren dazu da, den Blick auf das Entwicklungskonzept zu schärfen, das am 27. November 2017 in einem weiteren Workshop vorgestellt wird. Auch hier nehmen wir weitere Ideen und Anmerkungen der Bevölkerung auf», so Barbara Zeleny. Interessierte können sich unter www.neugasse-zuerich.ch/workshops zum nächsten Workshop anmelden.

Ausführliche Informationen zu den Hallengesprächen, Workshops und den Zwischenergebnissen gibt es auf: www.neugasse-zuerich.ch/workshops-uebersicht

Breite Mitsprache für ein grosses Areal

Das Areal Neugasse soll auf 30’000 Quadratmetern mitten im Kreis 5 entstehen und Angebote für Wohnen und Arbeiten sowie neue öffentliche Räume schaffen. Das städtebauliche Entwicklungskonzept für das Areal wurde in einem partizipativen Planungsprozess gemeinsam mit Planenden, Expertinnen und Experten und der Bevölkerung in bisher vier Workshops erarbeitet. Am fünften Workshop vom 27. November 2017 wird das städtebauliche Entwicklungskonzept vorgestellt und mit der Bevölkerung diskutiert.

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